Trading mit binären Optionen basiert überwiegend auf der technischen Analyse, da kurzfristige Trends mit Hilfe der Kursanalyse besser einzuschätzen sind als die Auswertung von wichtigen Nachrichten. Daher hat sich die technischen Analyse zu einem breiten Feld im Trading etabliert und kann auf eine schier unendliche Entwicklung von technischen Indikatoren zurückblicken. Einige der bekanntesten, haben wir im Beitrag „diese Indikatoren für binäre Optionen sollten Sie kennen“ vorgestellt.

Dabei haben wir Indikatoren in 4 grundsätzliche Kategorien eingeteilt, nämlich die

  • Trendfolger,
  • die Momentum-Indikatoren,
  • die Oszillatoren und
  • die Kurs-Indikatoren.

Auch die Bollinger Bänder gehören zu den am weiten verbreitetsten Indikatoren in der technischen Analyse. Im Folgenden wollen wir uns daher auf diesen Indikator konzentrieren und ihn etwas näher vorstellen. Dabei erklären wir welche Idee dahintersteckt, wie man ihn interpretiert und zu guter Letzt wie man ihn in der Praxis mit binären Optionen nutzen kann.

Bollinger Bänder – die Idee

Bollinger Bänder wurden von John Bollinger, einem technischen Analysten, im Jahre 1980 entwickelt. Wie die Bezeichnung nahe legt, besteht der Indikator aus drei Bändern, davon bildet das Band, das mittig verläuft den gleitenden Durchschnitt des Kurses, bezogen auf eine bestimmte Periode.

Ein gleitender Durchschnitt oder auch Moving Average genannt, ist der bekannteste trendfolgende Indikator überhaupt. Er soll eine Glättung des Kurses bewerkstelligen und wird daher recht simpel als Durchschnitt der Kurse für eine bestimmte Periode berechnet. Auch den gleitenden Durchschnitt haben wir in dem bereits genannten Beitrag erwähnt.

Da man annimmt, dass ein Großteil der Trader die Standard-Einstellung nutzt und sich diese in zuverlässigen Handelssignalen zeigt, wird die Einstellung von 14 Tagen zugrunde gelegt. Das untere und das obere Band, werden durch die durchschnittliche Schwankungsbreite (Standardabweichung) innerhalb dieser Periode bestimmt. Die durchschnittliche Schwankung ebenso die Volatilität an, sodass statistische Annahmen getroffen werden können.

Der daraus resultierende Wert wird mit einem Faktor multipliziert und zu dem gleitenden Durchschnitt, jeweils addiert und subtrahiert. Somit entstehen die beiden anderen Bänder. Doch warum macht man das Ganze und welche Annahme steckt dahinter? Die Idee ist folgende.

Laut statistischen Annahmen bewegt sich der aktuelle Kurs nach einer Weile immer in Richtung des Mittelwertes. Man bezeichnet diesen Effekt auch oft als Mean Reversion. Diese Annahme basiert auf der statistischen Normalverteilung vieler unabhängiger Variablen. Auch Kurse werden als solche Variablen angesehen und eignen sich somit für die Anwendung dieser Annahme.

Erreicht nun der Kurs das obere Band, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich der Kurs wieder zum Mittelwert hin bewegt. Im Grunde genommen, werden Bollinger Bänder auch als Trendfolge-Indikatoren angesehen, sie sollen jedoch auch Zonen anzeigen, an denen sich der Trend kurzzeitig umkehren kann.

Bollinger 1

Abb. Bollinger Bänder im Kursverlauf

Das obere Chart macht deutlich, wie Bollinger Bänder dem Kursverlauf folgen und der Kurs zwischen dem oberen und unteren Band fluktuiert. Es wird ersichtlich, dass bei besonders starken Trends die Mean Reversion Annahme nicht immer erfolgt, denn der Kurs kann sich in solchen Trends recht lange an einem der Bänder entlang hangeln, ohne dass ein Reversal erfolgt.

Es wäre daher auf den ersten Blick eher anzunehmen, dass sich ein Trend-Reversal erst dann als wahrscheinlich ergibt, wenn das mittlere Band, gebrochen wird. Wie wir die allgemeinen Interpretations-Regeln weiter eingrenzen, werden wir weiter unten besprechen.

Selbst John Bollinger deutete an, dass der Indikator für sich alleine, nicht aussagekräftig genug ist, um Kauf- bzw. Verkaufssignale zu generieren. Er erweiterte die Interpretation um weitere Parameter wie etwa die Bandbreite, die allerdings in den gängigen Analyseprogrammen nicht vorhanden ist. Laut Bollinger sind die Bänder lediglich dazu da, um zu prüfen ob der Kurs über- oder unterbewertet ist. Wir werden dennoch versuchen einen Ansatz für den Aufbau einer Handelsstrategie zu finden.

Interpretation der Bollinger Bänder

Laut der allgemeingültigen Definitionen, werden Kursstände folgendermaßen interpretiert:

  1. Befindet sich der Kurs nahe des oberen oder unteren Bandes, wird ein kurzfristiges Reversal zum anderen Band erwartet
  2. Bildet der Kurs ein längerfristiges Top oder einen Boden in der Nähe der Bänder, so wird eine Trendwende erwartet
  3. Steigt der Kurs deutlich über oder unter die Bänder, wird ein starker Trend erwartet
  4. Ziehen sich die Bänder zusammen, wird ein starker Ausbruch erwartet (ohne Richtungsfestlegung)

Bollinger 2

Abb. Bollinger Bänder Interpretation

Das obere Chart soll uns dabei helfen diese Regeln zu überprüfen. Und in der Tat haben einige der Regeln, besonders auf kurzfristiger Basis durchaus ihre Berechtigung. Andere Regeln wiederum sind eher unzuverlässig. Dabei ist beispielsweise die Regel NR. 3 kein einziges Mal eingetroffen. Dass sich ein starker Trend entwickelt, nur weil sich der Kurs ober- bzw. unterhalb des Bandes befindet, kann so pauschal daher nicht angenommen werden. Wir werden diese Interpretation bei unserer weiteren Analyse nicht mehr verwenden.

Sehr zuverlässig erschien jedoch die Interpretation Nr. 4. Jedes Mal wenn sich die Bänder im Rahmen einer Konsolidierung zusammengezogen haben, schloss sich kurze Zeit später ein mehr oder weniger starker Ausbruch bzw. ein Trend an.

Die Interpretation Nr. 2 lässt sich auch ohne die Bollinger Bänder bewerkstelligen, denn ein Top oder ein Boden hat seine eigenen Eigenschaften, wie höhere Tiefs oder tiefere Hochs. Bollinger Bänder sind hier daher nicht zwingend notwendig.

Halten wir also fest. Selbst John Bollinger hielt den reinen Indikator nicht für aussagekräftig genug um Kauf- oder Verkaufssignale anzuzeigen. Auch unsere Analyse der gängigen Definitionen hat das bestätigt. Recht zuverlässig war dabei die Definition Nr. 4, die wir im weiteren Verlauf verwenden werden.

Handelstechnik mit Bollinger Bändern

Es ist immer wichtig die allgemeinen Interpretationsregeln noch einmal selbst zu überprüfen. Da selbst der Entwickler der Bollinger Bänder weitere Parameter genutzt hat, sollten auch wir davon ausgehen, dass eine Optimierung des Indikators notwendig ist. Weiterhin braucht man für den Aufbau einer Strategie strikte Regeln. Bisher haben wir folgende Erkenntnisse, auf die die Regeln aufbauen können:

  • Bollinger Bänder können auf allen Zeitebenen genutzt werden,
  • die Interpretation Nr. 4 ist geeignet,
  • Interpretation Nr. 4 zeigt keine Richtung an.

Wir benötigen daher zwei weitere Regeln für den Handel mit binären Optionen. Die eine Regel legt den Handelszeitraum fest. Die andere Regel soll die Handelsrichtung bestätigen. Damit wir aus dem 15 Minuten-Chart handeln können, eignet sich eine Laufzeit zwischen 1-3 Stunden. Es müssen daher binäre Optionen für den Handel angeboten werden, die diese Laufzeiten als Parameter beinhalten.

Für die Bestimmung der Richtung werden einfache Kurs-Setups identifiziert, wie beispielsweise ein Bruch aus einer relevanten Kurszone. Diese Zonen wiederum, sollen mit Hilfe des Indikators Fibonacci-Retracements identifiziert werden.

Wer sich für den Indikator interessiert, kann das Internet bemühen. Kurz: Die Fibonacci-Retracements sind sehr beliebte Werkzeuge in der technischen Analyse. Sie gehen auf den Mathematiker Fibonacci zurück, der vor vielen Jahren erkannt hat, dass sich innerhalb von Zahlenfolgen bestimmte Muster immer wieder ergeben. Auch in Bewegungen von Kursen können daher diese Muster wiedererkannt werden, womit sich Widerstände und Unterstützungen identifizieren lassen, also die wichtigen Zonen.

Folgende Handelsregeln können daher zunächst einmal aufgestellt werden. Ein Trading-Signal entsteht dann, wenn:

  1. Das obere und untere Bollinger Bänder sich im 15 Minuten-Chart zusammengezogen haben und kurz darauf sich eine Bewegung zu entwickeln scheint
  2. Ein wichtiges Fibonacci-Retracement gebrochen wurde (23,6 und 38,2 im Chart darunter)
  3. Optionen zur Auswahl stehen mit der Laufzeit zwischen 1-3 Stunden

Bollinger 3

Abb. Muster der Bollinger Bänder

Eine weitere Regel könnte das Risiko-Management beinhalten. In dem der Trader pro Trade nur maximal 1 % seines gesamt eingezahlten Kapitals einsetzt. Das bewahrt den Trader davor, einen Totalverlust in Folge mehrere Trades zu erleiden. Zwar bieten binäre Optionen bereits aufgrund ihrer Struktur eine Begrenzung des Risikos, das bezieht sich allerdings nur auf einen Trade. Ein Totalverlust entsteht dagegen in der Regel in Folge mehrere Trades und dagegen sollte sich der Trader besonders dann absichern, wenn er Hebelprodukte wie binäre Optionen handelt.

Fazit- Guter Indikator mir Optimierungsnotwendigkeit

Der technische Indikator Bollinger Bänder, lässt sich im Trading gut einsetzen, da er sehr simpel zu verstehen und interpretierbar ist. Allerdings wird er oft missverstanden. So sind einige der allgemeingültigen Definitionen kaum haltbar. Selbst der Entwickler John Bollinger hatte es mehrmals erwähnt und vorgeschlagen, den Indikator um weitere Parameter zu erweitern.

Sollten die von ihm gewählten Parameter nicht verfügbar sein, so könnte man sich auf die Definitionen konzentrieren, die am zuverlässigsten sind oder andere Parameter finden, die die Zuverlässigkeit erhöhen. Das können entweder weitere Filterindikatoren sein oder bestimmte Setups also Kursformationen, die eine Richtung bestätigen.

In unseren Fall haben wir auf das Zusammenziehen der Bänder gesetzt, da sich an Konsolidierungsphasen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Phase eines dynamischen Trends anschließt. Da jedoch keine Anhaltspunkte über die Richtung gemacht werden können, muss sich dieser Trend bereits in der Entwicklung befinden und durch den Ausbruch eines Fibo-Retracements bestätigt werden.

Eine Strategie mit Bollinger-Bändern ist daher durchaus machbar, nur eben nicht wie fälschlicherweise angenommen für Trend-Reversal geeignet, da zu viele Fehlsignale produziert werden.